Cheap. Low. Slow. – Thomas aus Aschaffenburg
Aschaffenburg. Da, wo die Autobahn noch nach Öl riecht und die Garage mehr Herz hat als so mancher Showroom. Hier hockt Thomas Bodenschatz, 36, Schrauber aus Leidenschaft. „Am liebsten häng ich in meiner Garage rum“, sagt er, zwischen altem Gerümpel, Bandsäge, WIG-Schweißgerät, Schleifbock… und zwei Wasserkochern – seinen Bikes. Zwei Honda VT600 und eine Suzuki LS650, auch liebevoll „Else“ genannt. Wobei original ist an den Kisten so gut wie nix. „Alle drei haben eins gemeinsam“, grinst er, „mit dem Original haben sie herzlich wenig zu tun.“
Zwei Räder im Kopf – von klein auf
Dass Thomas irgendwann bei den Choppern landen würde, war eigentlich klar. Schon als Kind hat er lieber geschraubt, statt zu kaufen. BMX-Räder, Dirtbikes – egal, Hauptsache selbst zusammengebaut. „Fertige Bikes hatten für mich zu wenig Ausstrahlung“, erzählt er.
Der entscheidende Moment? Ein Parkplatz bei der Arbeit. „Da stand dieses abgefuckte Ding. Alle haben die Nase gerümpft und ich dachte nur: läääääääck, ist das fett! Ein nackiger Zylinder, der Geruch vom Vergaser, keine Wasserkühlung, einfach dieser aggressive Style.“ Damals wusste er nicht mal, wem die Kiste gehörte. Heute schon. „Grüße gehen raus an Peter. Ja, Peter, er redet von deiner Else.
Vorbilder mit Herz und Dreck unter den Fingernägeln
Wie in jeder guten Story gibt’s auch bei Thomas Helden. Schrauber, die ihn inspiriert haben und ihm gezeigt haben, dass Garage nicht gleich Garage ist. „Holger Hock aus Neustadt, mit seiner endgeilen Garage. Johannes aus Wiesbaden. Und Peter Bergmann, der so viel Energie in die Szene steckt. Und Holger Meixler , der zaubert auf kleinstem Raum die größten Schätze.“
Es ist diese Mischung aus Ehrgeiz, Leidenschaft und einem Hauch Wahnsinn, die Thomas antreibt.
Umbauten, die knallen
Wenn Thomas schraubt, dann richtig. Und manchmal auch richtig schräg. Paradebeispiel? Sein Hochzeitsmoped. „’Ne 1,70 Meter hohe Dreizack-Sissybar, King-and-Queen-Sitzbank mit Leopardenfell. War mehr so ein schneller Zusammenwurf, damit ich mit meiner Frau fahren konnte.“ Heute wird das Bike wieder zerlegt, optimiert, verfeinert. „Aber das Ding hat funktioniert und Spaß gemacht.“
Cheap. Low. Slow.
Wenn er sein Bike in drei Worten beschreiben muss, kommen sie wie aus der Pistole geschossen: cheap. low. slow.
Fahrbarkeit? Nebensache. „Optik steht nach wie vor im Vordergrund. Alles Übungssache. Ich find’s erst geil, wenn mir der TÜV einen Vogel zeigt, mir die Plakette gibt und ich wieder verschwinden kann.“
Schrauben – lieber allein
So sehr Thomas das Schrauben liebt, so sehr schätzt er die Ruhe dabei. „Am liebsten alleine“, sagt er. „Aber ’ne Halle, in der man zusammen schrauben kann, wär auch geil. Bier in der Hand, gute Mucke, dreckige Hände das wär’s.“
Auf Tour – bis der Helm brummt
Perfekter Tag? „Wenn ich früh um 7 schon im T-Shirt starten kann, den ganzen Tag die Sonne jage, und abends kaum noch heimkomme vor Schmerzen. Dann setz ich mich in die Garage, lackier mir mit 11, 12 Bier den Helm – geil.“
Er grinst, so wie nur jemand grinst, der genau weiß, dass er sich gerade wieder an einen dieser Tage erinnert, an denen einfach alles passt.
Die Spalierfahrt
Von all seinen Ausfahrten gibt es eine, die Thomas nicht vergisst: seine Hochzeit. „Ich dachte, es kommen vier Mopeds. Am Ende standen da 25. Das war irre. Respekt an alle Jungs, die da waren : Sunny, Christopher, Felix, Peter, Holger, Silas, Jan… und noch so viele andere.“
Eine Erinnerung, die für immer bleibt genau wie das Gefühl, das er dabei hatte. „Meine Frau fand’s übrigens auch geil“, fügt er lachend hinzu.
Wenn Hondas nicht kaputt gehen
Pannen? Klar, Kleinigkeiten. „Einmal leergefahren, einmal Kupplungszug gerissen, mal ’nen Fender abgerissen oder die Sissybar gebrochen ,aber das war alles easy fixbar.“
Ansonsten? „Hondas gehen halt nicht kaputt.
Süchtig nach zwei Rädern
Fragt man ihn nach dem Soundtrack seines Lebens auf zwei Rädern, kommt die Antwort ohne zu zögern: JJ Cale – Cocaine. „Meine Bikes machen mich süchtig. Es ist ein riesiger Ausgleich für mich, Motorrad zu fahren. Ich kann entspannen, schlechte Laune vergessen, gute Laune kriegen. Wenn ich mal ne miese Phase hab, holt mich so ein Bike wieder zurück ins Spiel.“
Der TÜV und die Schwester
Und dann gibt’s noch diese legendären Sprüche, die Thomas gern mal beim TÜV raushaut. „Ich hab ihm mal gesagt, dass ich seiner Schwester auf den fetten Arsch hau, wenn er mir keinen Stempel gibt.“ …. „Würd ich natürlich nie tun, weil sie echt eklig ist.“
Er grinst schelmisch. Genau der Humor, der ihn ausmacht. Rough, direkt, aber nie ohne ein Augenzwinkern.
Thomas ist keiner, der auf Bling-Bling steht. Kein Hochglanz, kein Showbike. Stattdessen ehrliche Schrauberei, Bikes, die Geschichten erzählen, und ein Lebensstil, der genauso authentisch ist wie seine Garage in Aschaffenburg.
Cheap. Low. Slow. – und immer mit einem Lächeln im Gesicht, wenn der Motor anspringt.








One response
Ja ja der Thomas ist schon ein guter und vom Virus angesteckt und auch noch von mir grins . Hau rein und bleib wie du bist .
Gruß Pit