Zwei Räder, zwei Frauen, eine Mission – Juli & Michelle aus Salzburg


Wenn zwei Frauen in Motorradklamotten mit breitem Grinsen durch die Alpen knattern, dann ist ziemlich sicher eins klar: Hier kommt keine 0815-Crew. Hier kommen Juli & Michelle – zwei echte Charakterköpfe mit Helm, Humor und Herz, die zeigen, dass Chopperliebe kein Geschlecht kennt.

Was als lockere Begegnung bei einer Hüttenrallye begann, wurde zur Freundschaft auf Achse. Und obwohl sie bisher offiziell „nur“ zu zweit sind, steht der Spirit ihrer Crew längst: laut, ehrlich und immer für einen Blödsinn zu haben.
Oder wie sie selbst sagen: „Wenn wir zusammen unterwegs sind, ist Lachen eigentlich vorprogrammiert.“ Ob auf zwei Rädern oder mit dem Snowboard, bei den beiden wird’s nie langweilig. Noch ist’s ein Duo. Aber sie haben da was vor: Eine echte Mädels-Community in der Gegend rund um Salzburg. Locker, leidenschaftlich und motorradverrückt. Eine Crew mit Charme, nicht mit Show.

Vom Schwabenländle in die Berge – und direkt aufs Bike
Juli, 39, kommt eigentlich aus dem Schwabenländle , wie sie selbst sagt, „nähe Stuttgart“, weil dort sowieso alles „nähe Stuttgart“ ist. Die Liebe verschlug sie vor knapp fünf Jahren nach Österreich. Neue Gegend, neue Leute und dann kam Michelle.

Die 26-jährige Pongauerin ist so ein Typ Mensch, den man sich nicht basteln kann: jung, wild, laut aber auf die gute Art. Beide sind auf ihre Weise verrückt nach allem, was fährt. Der Funke sprang bei einer legendären Hüttenrallye über, „freundschaftlich natürlich!“ Und der Rest ist Geschichte. Seitdem cruisen sie gemeinsam durch die Gegend, träumen von gemeinsamen Projekten, schrauben, planen und suchen Gleichgesinnte.

Girls just wanna ride
Den Führerschein hatte Juli schon mit 18 in der Tasche damals noch ein echtes Novum als junge Frau. Michelle stand schon lange auf alles, was Räder hat, und 2023 war’s dann endlich so weit: Der große Schein war da und damit war klar: Jetzt geht’s richtig los.

Der Gedanke war sofort da: „Warum fahren wir hier eigentlich immer nur zu zweit rum?“
Sie wollen mehr mehr Frauen auf den Bikes, mehr Gemeinschaft, mehr Präsenz. Nicht laut, nicht krampfhaft, sondern locker und offen:
„Weniger Girls just wanna have fun mehr Girls just wanna ride!“

Zwei Bikes, zwei Welten – und eine Pferdeanhänger-Geschichte
Wenn man sie fragt, wie viele Maschinen sie haben, kommt ein trockenes: „Jede eine aber Charakter haben sie irgendwie beide.“ Michelle fährt eine Yamaha Virago XV535, Baujahr 2000; eine Lady mit Patina, Geschichte und ordentlich Persönlichkeit. Aktuell läuft sie, aber ein paar Upgrades stehen noch an. Man könnte sagen: Michelle hat die Baustelle mit Herz.

Juli dagegen ist (noch) modern unterwegs: Ihre 2023er Honda Rebel 500 ist zuverlässig, kraftvoll und bergtauglich, ideal für lange Routen durch Österreich. „Kein Umbauobjekt – noch nicht.“ Aber der Plan, sich irgendwann was Altes zuzulegen, brodelt schon im Hinterkopf.

Doch Michelle’s Virago hatte ihren ganz eigenen Einstand und der war filmreif. Die beiden entdeckten das Bike online, zack gekauft, keine große Sache außer, dass sie es im Pferdeanhänger durch halb Österreich transportieren mussten. Nach über vier Stunden Fahrt gönnten sie sich eine Pinkelpause, warfen einen Blick in den Anhänger und fanden das „Pferd“ umgekippt auf der Seite. Bremshebel, Behälter, Spiegel: platt.
Aber statt zu fluchen, hieß es: Schrauben, Lachen, Bier auf. Die erste gemeinsame Garagen-Session war geboren.

Großglockner, Kater & Kleider-Chaos

Manche Touren starten mit einem Plan und enden im Chaos. Genau so war’s bei ihrem Ausflug auf den Großglockner, der zu Michelle’s zweiter großer Ausfahrt nach dem Führerschein wurde. Klingt nach Natur, Aussicht und Ruhe? Nix da am Vortag wurde auf einem Motorradfestival erstmal gepflegt eskaliert.

Die beiden waren alles, nur nicht fahrbereit, als es am nächsten Morgen losgehen sollte. Trotzdem: Helm auf, Gas auf. Der Aufstieg lief gut strahlender Sonnenschein, Bergpanorama deluxe. Doch oben angekommen, zog der Himmel plötzlich zu. Regen, Sturm, dunkle Wolken und die beiden? Kurzer Halt, Bierpause. Perfekte Idee, dachten sie.

Doch die Pause wurde zur Wetterschelle: Juli haute trocken ab und kam heil unten an. Michelle dagegen blieb mit den Jungs, kippte das Bier runter und fuhr dann im strömenden Regen mit 10 km/h den Berg runter. Nichts für schwache Nerven, aber sie hat’s durchgezogen. Und das Wichtigste: heil unten angekommen und abends trotzdem gefeiert.

Zwei Minuten, elfunddreißig Ausreden

Wenn du dich fragst, wer bei den beiden der Trödler ist hier die ehrliche Antwort: beide.
Startzeit 10:00 Uhr? Realistisch gesehen eher 11:30 Uhr. Die Gründe sind vielfältig: mal fehlt der Eyeliner, mal die Handschuhe, mal das Ladegerät vom Handy oder der Helm liegt noch im Keller.
Der Running Gag lautet: „Warte kurz, ich brauch noch…“ und der Rest der Crew (also jeweils die andere) lacht schon.

Tour vorbei? Bier raus. Immer.

Was läuft bei Juli und Michelle nach jeder Tour?
Bier. Lagerfeuer. Oder Werkstatt.
Nicht immer alles gleichzeitig aber irgendwas davon ist garantiert dabei. Müde Knochen ausruhen? Auch. Aber bitte mit Stil. Und Hopfen.

Cooliii – das universelle Lebensgefühl

Wenn’s ein Wort gibt, das die beiden perfekt beschreibt, dann ist es:
„Cooliii“ gesprochen mit einem breiten Grinsen und extra „i“.
Es wird für alles verwendet: Bikes, Menschen, Touren, Sonnenuntergänge, Burger.
Es ist so ansteckend, dass Juli sich das Ding tätowieren ließ.
Das sagt eigentlich schon alles über die beiden: locker, selbstironisch, authentisch und ziemlich cooliii.

Was läuft in der Szene? Was nervt?
Auf die Frage, was ihnen in der Szene auf den Keks geht, kommt ein ehrliches:

„Nichts!“
Die beiden fühlen sich willkommen, egal welches Alter, welches Bike, welches Geschlecht.
Keine komischen Blicke, kein unnötiger Druck. Einfach ehrliche Begegnungen mit Leuten, die Bock auf das Gleiche haben: Fahren, Schrauben, Feiern.

Alt oder neu? Egal – Hauptsache mit Liebe

Bei der Frage „Oldschool oder modern?“ sind sich beide einig:
„Alles ist cool, wenn’s richtig gemacht ist.“
Alte Maschinen haben Seele und neue sind bequem. Beides hat seinen Reiz. Wichtig ist, dass der Funke überspringt.
Ein geiles Bike ist für die beiden nicht die Frage des Baujahrs, sondern des Vibes.

Schrauberfails mit Adrenalin

So richtig peinlich wurde’s zum Glück noch nie, aber ein bisschen Nervenkitzel war schon dabei.
Mal eine Schraube nicht festgezogen, die dann auf einer viel befahrenen Straße abfiel.
Todesmutig eingesammelt, wieder montiert, weiter ging’s.
Die großen Umbauten überlassen sie (noch) den Profis, aber sie lernen.
Mit jeder Tour, jedem Fehler, jeder Session in der Garage.

Zusammen stehen, zusammen fahren – ganz egal was kommt

Die eine große Story, die sie komplett beschreibt, gibt es noch nicht, aber was schon feststeht:
Sie können sich aufeinander verlassen.
Zusammen durchziehen, zusammen durchdrehen, zusammen durchhalten.
Keine Show, kein Drama, sondern echter Teamspirit.

Traumstrecken & Heißluftballons

Wenn Träume erlaubt sind, dann haben beide große Pläne:
Michelle will die Route 66 runterbrettern, der Klassiker.
Juli träumt von einem echten KI-Fiebertraum:
Forza Horizon auf’m Bike, in Mexiko, bei einem Heißluftballon-Autorennevent.
Aber ganz realistisch: Wheels & Waves in Frankreich, oder die Born Free Show in Kalifornien stehen ganz oben auf der Liste.

Und bis dahin?
Glemseck 101, ihr Lieblingsevent. Juli steht dort sogar regelmäßig auf der Bühne mit ihrer Band Julie Hellion & The Batten Masons.
Szene, Sound und Schrauber, alles auf einem Platz. Besser geht’s kaum.

TÜV? „War schon so.“
Und wenn’s mal tricky wird beim Prüfer?

„Keine Ahnung, das war schon so, als ich’s gekauft hab“ : Wimpernklimper.
Geht fast immer.

Soundtrack & Motto

Ein KI-generierter Song über „wilde Damen mit Kochlöffeln im Haar“, der sich irgendwie verirrt hat.
Aber das echte Musikgefühl liefern Lynyrd Skynyrd – Free Bird Freiheit, Fahrtwind, Fernweh,  besser lässt sich das Gefühl nicht in Töne packen

Und das Motto?
„Dare and let’s ride together!“


Zwei Frauen, ein Plan – und verdammt viel Charakter
Juli & Michelle sind nicht einfach nur zwei Mädels auf Mopeds.

Sie sind eine kleine Bewegung mit viel Herz, Ehrlichkeit und Humor.
Sie wollen mehr Frauen auf zwei Rädern sehen, aber nicht mit Druck, sondern mit Begeisterung.
Ob Yamaha mit Patina oder moderne Hond, hier zählt nicht, was du fährst.
Sondern, dass du’s fühlst.

 

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